12.04.2010
"Der Journalist muss auf die Straße gehen und das Land bereisen, das ist ein Job für 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche", beschreibt Marc Koch sein berufliches Selbstverständnis. Als Hörfunk-Korrespondent für die ARD war Marc Koch viele Jahre im Ausland. Der Weg dahin war klassisch: Während seines geisteswissenschaftlichen Studiums arbeitete Koch bereits frei für Zeitungen wie die "Frankfurter Allgemeine" und den Hessischen Rundfunk (HR).
Direkt im Anschluss an das Studium legte er dann mit einem Volontariat beim HR einen weiteren Grundstein für seine journalistische Karriere. Er berichtete aus Hessen nicht nur für die HR-Wellen, sondern auch für andere ARD-Sender. So hat er auch gelernt, ein Thema für mehrere Formate und Zielgruppen aufzubereiten – heute wichtiger denn je.
Vom Vertreter zum Korrespondenten
Nach einigen Jahren beim HR mit mehreren Auslandseinsätzen wurde er zunächst ARD-Hörfunkkorrespondent in Paris, vertrat anschließend den Korrespondenten in Madrid und übernahm 2006 den Posten ganz. Spanisch sprach er noch nicht, als es zur dieser Entscheidung kam. Aber da Marc Koch ein Faible für Fremdsprachen hat, lernte er eben mit viel Eifer die Sprache. Koch: "Spanisch zu lernen war für mich keine Arbeit."
Heute ist Marc Koch Chefredakteur von Deutsche Welle Radio und DW-world.de. Rückblickend auf seine Zeit im Ausland sagt Koch: "Im Ausland arbeiten ist eine tolle Erfahrung, gerade im Journalismus, das erweitert den Horizont ungemein. Ich kann mir keinen schöneren Beruf vorstellen."
Selbständig in Istanbul
Sabine Küper-Büsch hat keine klassische Entsendungskarriere hinter sich. Sie schrieb zwar bereits in ihrer Schul- und Studienzeit für diverse Lokalzeitungen in Deutschland, ging dann aber für einen Großteil ihres Studiums nach Istanbul, weil sie sich sehr für die Türkei und den Islam interessierte. Da sie bald fließend Türkisch sprach, fand sie eine Anstellung im ARD-Studio Istanbul. Dort bereitete sie als Producerin Beiträge für die Redakteure vor, recherchierte und lernte alle Aspekte des Fernsehmachens kennen.
Seit 1998 ist sie selbständig als freie Korrespondentin von Istanbul aus tätig, zu ihrem Einsatzgebiet gehören neben der Türkei auch der Irak, Iran und Zypern. Sie arbeitet für Printmedien, Hörfunk und Fernsehen und liefert ihre Beiträge sendefertig an die Abnehmer. Wichtig findet sie: "Als freie Korrespondentin sollte man auf jeden Fall die Sprache des Landes beherrschen, als Festangestellter kann man sich auch auf die einheimischen Mitarbeiter stützen." Genauso wichtig wie die Sprache sei natürlich auch das Verständnis der Kultur.
Berichtsgebiet Irak
Einen gewissen Nervenkitzel bringt der Beruf mit sich: "In den 1990er Jahren ‚knallte’ es hier schon ab und zu, heute ist es deutlich ruhiger. Wenn man dann zum Beispiel in den Irak reist, setzt man sich natürlich einem Risiko aus." Der Einsatz im Krisengebiet vermittele ihrer Meinung nach jedoch wichtige Erfahrungen für Auslandskorrespondenten.
Heute berichtet Sabine Küper-Büsch vermehrt über die lebendige Kulturszene Istanbuls. Diese Themen seien zwar schwieriger unterzubringen als "Klassiker" wie Terror oder Ehrenmorde, fänden aber auch ihre Abnehmer und vor allem begeisterte Zuschauer daheim.
Frei in Zentralasien
Eine in ihren Augen rein pragmatische Entscheidung traf Edda Schlager, als sie beschloss, sich in Kasachstan niederzulassen. Sie sah dort eine Nische, die sie nun mit ihrer Berichterstattung füllt.
Schon bei der Berufswahl war ihr früh klar, dass es der Journalismus sein sollte. Neben ihrem Geographie-Studium absolvierte sie Praktika in verschiedenen Medien.
In der Schule lernte Edda Schlager Russisch, nach dem Studium wollte sie ihre Sprachkenntnisse verbessern. Ihr Interesse an der Region weckte ein Praktikum bei der "Deutschen Allgemeinen Zeitung" in Almaty, einer deutsch-russischen Wochenzeitung. Obwohl sie in Deutschland und auch in Kasachstan das Angebot hatte, an Universitäten in ihrem Fach weiter zu arbeiten, entschied sie sich für den Journalismus. Und nach einem halben Jahr in Almaty fragte sie sich: "Warum bleibe ich nicht hier?" Sie tat es und fing bei null an. Edda Schlager: "Ich hatte keine großen Kontakte mehr zu Redaktionen in Deutschland und habe mich halt so durchgewurschtelt." Geholfen habe am Anfang sicherlich das Korrespondentennetzwerk n-ost, das ihre Artikel vermittelte. Nachdem sie sich anfänglich auf das Schreiben konzentrierte, dehnte Edda Schlager ihr Angebot auf den Hörfunk aus, weil sie die Beiträge ebenfalls allein machen kann und auf kein Team angewiesen ist.
Berichte aus Zentralasien
Aus dem kasachischen Almaty bereist sie neben Kasachstan auch Afghanistan, Kirgistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan. Sie versucht mit ihrer Arbeit auch die positiven Aspekte der Region darzustellen. Dabei missfällt ihr die Willkür vieler Staaten, in denen sie arbeitet. So kann beispielsweise eine Akkreditierung oder Aufenthaltsgenehmigung von heute auf morgen nicht mehr verlängert oder entzogen werden.
Sorgen, dass ihr das passieren könne, und generell um ihre Sicherheit macht sie sich aber keine, denn "ich bin nicht unbedingt an Themen dran, die das Leben in Gefahr bringen".
Als Auslandskorrespondent in Deutschland
So wie uns interessiert, was auf der Welt passiert, arbeiten Korrespondenten auch in Deutschland für die Menschen in ihren Heimatländern. Für den südafrikanischen Medienkonzern Naspers berichtet Hendrik Schott aus Bonn und Berlin. Der gebürtige Deutsche kam im Rahmen eines Dozentenaustauschs nach Südafrika. An der Universität von Stellenbosch nahe Kapstadt knüpfte er über die dortige Journalistenschule Kontakte zu Naspers und kam so eher zufällig in den Journalismus. Nach sechs Jahren in Südafrika, unter anderem in der Auslandsredaktion von Naspers, bekam er das Angebot, aus Deutschland für die Zeitungen, Zeitschriften und Online-Dienste seines Arbeitgebers zu berichten.
Als deutscher Korrespondent in Deutschland hat Schott eine "Exotenposition" inne, wie er selber sagt. Schott: "Aber wenn man in Südafrika gelebt hat, weiß man, wie die Leute ticken und was sie interessiert." Das seien unter anderem Themen, bei denen es um Probleme geht, die sowohl in Deutschland als auch in Südafrika aktuell sind, wie beispielsweise illegale Einwanderer. Man müsse halt nur den Blickwinkel wechseln, um das Thema für den Heimatmarkt interessant zu machen.
Timo Stoppacher
Homepage von Edda Schlager
Homepage von Sabine Küper-Büsch
Naspers Media
Korrespondentennetzwerk n-ost

Der Autor:
Timo Stoppacher, ist Diplom-Journalist (FH). Er arbeitet als wissenschaft-
licher Mitarbeiter an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg in Sankt Augustin und betreut dort den Studiengang Technikjournalismus/PR. Daneben schreibt er als freier Journalist über Medien- und Technikthemen.
E-Mail: timo@stoppacher.de
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