07.01.2011

Berufsstand in der Krise



In Magdeburg soll ein neuer Studiengang die Chancen der Fotojournalisten verbessern

Foto: Hochschule Magdeburg

Freie Fotojournalisten und Bildredakteure schätzten in der „Großen Konjunkturumfrage“ des Deutschen Journalistenverbandes (DJV) ihre persönliche berufliche Situation mehrheitlich schlecht ein. Wie der DJV schreibt, ist die Situation unter den Fotojournalisten besonders angespannt: „Jeder zweite Bildjournalist berichtet von einem signifikanten Auftragseinbruch.“ Die Befragten gaben an, dass besonders die Aufträge von Tageszeitungen (67 Prozent), Fachzeitschriften (38 Prozent) und Publikumszeitschriften (32 Prozent) erheblich zurückgegangen seien. Der Durchschnittsverdienst liege bei 21.136 Euro und damit 15 Prozent unter dem Durchschnittseinkommen freier Journalisten.

Neue Ausbildung

Zur selben Zeit startete in Magdeburg ein Studiengang, der Fotojournalisten und Bildredakteure qualifizieren will. Die Hochschule wirbt auf ihrer Website damit, auf die wachsende Nachfrage nach professionell ausgebildeten Fotojournalisten und Bildredakteuren zu zielen. Und zwar nach solchen, die Bilder sowohl professionell erstellen als auch verarbeiten und vermarkten können. „Der Studiengang ist eine Reaktion auf die nachhaltigen Veränderungen im Medienbereich“, heißt es dort.

Qualität als Wettbewerbsvorteil

Studiengangsleiter Prof. Dr. Renatus Schenkel erwartet in den nächsten Jahren einen stärker werdenden Wettbewerb um die Qualität der Bilder. Die Güte der Fotos sei mittelfristig für den Erfolg entscheidend, prognostiziert er. Durch die aktuellen Veränderungen der Branche gebe es einen zunehmenden Bedarf an speziell ausgebildeten Journalisten, bei deren Arbeit der journalistische Bezug im Mittelpunkt stehe.

Prof. Renatus Schenkel; Foto: Hochschule Magdeburg

Denn genau das mache die besondere Qualität der Bilder aus. „Wir wollen die klassischen journalistischen Tugenden lehren“, sagt Schenkel. Die vielerorts vermittelte künstlerische Fotografie, wie sie auch in der Werbung praktiziert wird, stünde deshalb nicht im Mittelpunkt dieses Studiengangs. Man wolle auch keinesfalls den von Amateuren überlaufenen Markt bereichern.

Grundlagenstudium

Gelehrt werden vor allem Grundlagen wie die des Journalismus, der Public Relations und journalistischer Ethik. Aber auch zentrale Besonderheiten bei der Produktion, Beschaffung und Verarbeitung von Bildern – praktisch und theoretisch für Zeitungen und Zeitschiften, TV und Onlinemedien. Auch Veranstaltungen zum Redaktionsmanagement, zum Medienrecht und den Hintergründen und der Funktionsweise des Medienmarktes sind Teil des Lehrplans. Unter den Dozenten sind Profis aus der beruflichen Praxis wie der Leiter des DPA-Bilddienstes Bernd von Jutrczenka und der Chef der Stern-Bildredaktion Volker Lensch.

Mit Vorwissen, Zeit und Geld zum Zertifikat

Die Hochschule lässt nur Bewerber zum Studiengang zu, die mindestens eine Fachhochschulreife besitzen. Außerdem müssen sie ein sechswöchiges Praktikum gemacht haben oder bereits im Haupt- oder Nebenberuf bildjournalistisch tätig sein. Wer keine Hochschulzugangsberechtigung besitzt, kann sich aber prüfen lassen, ob er eine besondere Befähigung besitzt, um dennoch zum Studium zugelassen zu werden.

Beruf und Studium

Unter den Studierenden sind laut Professor Schenkel derzeit sowohl Abiturienten als auch Berufserfahrene. Ein Großteil der zehn Studierenden des ersten Jahrganges arbeite derzeit parallel zum Studium. Der Lehrplan ist deshalb so ausgelegt, dass die Präsenz der Studierenden nur an drei Tagen in der Woche notwendig ist, damit ein Beruf parallel weiter ausgeübt oder aufgenommen werden kann. Zusätzlich zu diesen Präsenztagen finden Exkursionen statt.

Als berufsbegleitendes Angebot schließt der Studiengang im Gegensatz zu einem Vollzeitstudium nicht mit einem akademischen Grad ab. Stattdessen erhalten die Studierenden nach vier Semestern ein Zertifikat der Hochschule über den Besuch des Studiengangs. Auch muss jeder Studierende pro Semester 1.800 Euro zahlen, während das Studium anderer Studiengänge mit anerkanntem Hochschulabschluss wie Bachelor oder Master in Sachsen-Anhalt gebührenfrei ist. Denn das Bundesland hat im Gegensatz zu Nordrhein-Westfalen und anderen Ländern kein Gesetz zur Finanzierung von akademischen Studiengängen durch Studiengebühren erlassen. Schenkel begründet die Erhebung der Gebühren damit, dass der neue Studiengang ein zusätzliches Angebot zu den bestehenden Studiengängen ist. Nur so könne derzeit die zusätzliche Lehre durch Fachkräfte aus der Medienwirtschaft finanziert werden.

Das Zertifikat soll zum Bachelor berechtigen

Nur wer bereits den kostenpflichtigen Studiengang mit einem Zertifikat abgeschlossen hat, kann im Bachelor-Studiengang zwei Semester lang weiterstudieren und dann nach insgesamt sechs Semestern den akademischen Grad eines „Bachelor of Arts Bildjournalismus“ erhalten.

Sebastian Klein

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INFOS ZUM ARTIKEL



Der Studiengang an der Fachhochschule Magdeburg

Der Verband der Fotojournalisten: www.freelens.com

DJV / Bildjournalisten: www.bildjournalisten.djv-online.de

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