01.02.2011

Die wahren Helden



Die Stuntmenausbildung in Deutschland ist im Umbruch.

Alarm für Cobra 11; Bild: rtl/guido engels

Als in den vergangenen vier Jahrzehnten immer mehr Actionfilme die Kinoleinwand und das Fernsehprogramm eroberten, waren es dabei vor allem die neuartigen Stunts und die raffinierte Effekttechnik, die viele Kinobesucher und Fernsehzuschauer beeindruckten. Zwar gab es Stuntszenen bereits in Stummfilmen, nur wirkten diese damals oft noch nicht so dramatisch und wurden meist vom Schauspieler selbst gespielt.

Um Kopf und Kragen

Im Laufe der Zeit ersetzten unbekannte Doubles den prominenten Schauspieler. Durch ihre speziellen Fähigkeiten, in gefährlichen Szenen ihr Leben zu riskieren, hielten sie das Publikum in Atem. Diese Stuntmen hatten schnell ein Image als coole und unerschrockene Typen. Doch bis heute ist das tatsächliche Berufsbild der Stuntmen und Stuntwomen immer noch weitgehend unbekannt. Und inzwischen sieht es sogar danach aus, dass der Stuntman als eigenständiger Beruf aussterben könnte.

Schauspielerisches Talent wird wichtiger

Die Grenzen vom Stuntman zum Schauspieler sind heute oft fließend – vor allem in deutschen Produktionen. So übernehmen mehr und mehr gut ausgebildete Schauspieler viele Stunts selbst. Wer als Schauspieler auch noch die nötigen Stunttechniken beherrscht, ist klar im Vorteil, wenn es um die Besetzung einer Actionrolle im deutschen Film- und Fernsehgeschäft geht.

rtl/guido engels

Ein solcher Allround-Darsteller muss natürlich wissen, wie typische Stunt- und Pyrotechniken funktionieren. Nur so kann er sie sinnvoll für eine überzeugende Darstellung der Rolle nutzen und sich zugleich möglichst gut schützen. Für Auszubildende aller großen deutschen Stuntschulen, wie der von Actionconcept in Hürth oder Action Movie in Mendig, stehen daher immer auch theoretische Grundlagen zu sämtlichen Techniken auf dem Lehrplan, die heute an Sets von Filmproduktionen eingesetzt werden.

Keine Stunts ohne die richtige Technik

Die Aufnahmekriterien sind von Schule zu Schule unterschiedlich. So müssen Bewerber um eine Ausbildung bei Action Movie mindestens 16 Jahre alt sein. Auch kann eine vorangegangene Berufsausbildung in einem technischen Beruf von Vorteil sein – bei Actionconcept ist sie sogar Pflicht. Günter Bläske, Stuntausbilder und Geschäftsführer der Medienakademie Thüringen erwartet von Stuntschülern vor allem, mit technischem Gerät umgehen zu können: „Sie müssen zum Beispiel ein Fahrzeug beherrschen können.“

Denn ihr Handwerk lernen angehende Stuntmen letztlich hauptsächlich durch Ausprobieren und mit der sich ausprägenden Routine: Die Ausbilder bringen den Schülern Grundtechniken bei, die sich diese danach selbst antrainieren müssen. Durch das Probieren von Variationen und neuen Ideen testen sie ihre eigenen Fähigkeiten aus. Mit der Zeit wissen die Darsteller, welche Stunts sie besonders gut beherrschen und wo sich noch ungenutztes Potenzial versteckt, das durch weiteres Training erschlossen werden kann.

Doch das braucht Zeit. Ausbildungsgänge dauern deshalb in der Regel ein bis zwei Jahre – je nachdem, ob die Ausbildung in Vollzeit, nur nebenbei am Wochenende oder als Teil einer Schauspielausbildung absolviert wird.

Allround-Talente haben bessere Chancen beim Film

Die in Deutschland produzierten Filme sind heute wieder sparsam im Einsatz von Actionszenen, die den Einsatz von nur auf Stunts spezialisierten Doubles erfordern. Entsprechend schwierig haben es derzeit reine Stuntmen auf dem Arbeitsmarkt. Denn auch bei Auftritten in Action-Shows von Freizeitparks wird von den Darstellern heute meist eine Geschichte erzählt, in der sie ebenfalls zu einem gewissen Grad eine Schauspielrolle übernehmen müssen.

Stuntausbilder Günter Bläske schätzt die berufliche Situation der Stuntmen ohne Schauspieltalent daher sehr problematisch ein: „Von Stunts allein kann heute keiner leben“, sagt er. Auch gibt es nach seiner Erfahrung heute kaum fest angestellte Stuntmen. Sie seien meist ebenso wie der Großteil der Filmschauspieler Freiberufler, die sich von einem Engagement zum nächsten kämpfen müssten. Seine Stuntschule bildet daher inzwischen nur noch in kombinierten Ausbildungsgängen aus. Hierbei ist die Ausbildung zum Stuntman ein Teil der Schauspielausbildung.

Brennen allein reicht nicht

Bläske hat damit auf einen aus seiner Perspektive erkennbaren Trend aus seiner Berufspraxis reagiert. Für ihn ist klar: „Gute Schauspieler machen die Stunts heute selbst.“ Und so, wie sich ihm der Markt im Augenblick darstelle, hätten Stuntmen bessere Chancen, wenn sie hauptsächlich über eine gute Schauspielausbildung verfügen.

Sebastian Klein

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INFOS ZUM AUTOR



Jahrgang 1981, Diplom-Journalist (FH). Seit seinem Studium an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg arbeitete er als freier Technikjournalist unter anderem für das „Y-Magazin“ der Bundeswehr und produzierte ein Börsen-ABC für das Web-TV-Portal eines Wirtschaftsverlags. Heute betreibt er Online-PR für die Volksbanken und Raiffeisenbanken.

Der Artikel von Sebastian Klein ist Bestandteil der Kooperation zwischen funkfenster online und dem Fachbereich Technikjournalismus der FH Bonn-Rhein-Sieg.

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