17.03.2011

Bettgeschichten unter freiem Himmel



Die NRW-Medienbühne auf dem Deutschlandfest in Bonn

Die Bühne von nrwision Foto: Fotoagentur Fox

Ein Metall-Doppelbett steht auf der Bühne im Bonner Hofgarten, frisch bezogen mit bunter Bettwäsche. Treffpunkt für Fernseh- und Politprominenz auf dem Deutschlandfest. Sie unterhalten sich mit Moderatoren des Lern-Fernsehsenders nrwision der Technischen Universität Dortmund. Da werden zum Beispiel Fußballreporter Béla Réthy, NRW-Europa- und Medienministerin Angelica Schwall-Düren oder Schauspieler Moritz Zielke, bekannt als Momo aus der Lindenstraße, interviewt. Die meisten Gäste dieses Talk-Formats bleiben nicht brav vorne an der Bettkante sitzen, sondern lümmeln sich tief in die Kissen. Sie blicken in fünf Kameras, die von angehenden Mediengestaltern bedient werden.

Hoher Besuch

Ihr Ausbilder Ulrich Bader beugt sich im Zelt der Fernsehregie über Bildmischer Roland Schinkel, der vor dem Regisseur Platz genommen hat. Beide hoffen, dass alles mit der Abmischung klappt und mit den Drahtlos-Mikrofonen bei der wichtigsten Live-Aufzeichnung in Bonn. Heute muss alles schnell und ungeprobt, aber dennoch perfekt über die Bühne gehen. NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hat sich auf ihrem Rundgang über das Deutschlandfest anlässlich des 65. Landesgeburtstags und des Tages der Deutschen Einheit angekündigt. Ein Besuch samt Interview, der später im nordrhein-westfälischen Kabelnetz auf Kanal 137 zu sehen sein wird. „Das ist alles ganz anders, als wenn man im Studio im geregelten Bereich ist“, sagt Ulrich Bader. Großes Kino sozusagen, bei dem seine Auszubildenden alles Wichtige lernen können – Veranstaltungstechnik, Aufbau und Kameraarbeit

NRW-Ministerpräsidentin Kraft mit Moderator Stefan Malter Foto: Fotoagentur Fox

Jeder kann mitmachen

Durch das Bühnenprogramm vor der Bonner Universität und den Infostand will der junge Lernsender noch bekannter werden. Deshalb ist auch Projektleiter und Sportjournalist Michael Steinbrecher gekommen. Bei nrwision ist jeder eingeladen mitzumachen, der Interesse an Video und Film hat. Ein bundesweit einmaliges Projekt. Wöchentlich über sechzig Zulieferungen gibt es bereits, viele Beiträge stammen von Fernsehmachern der vor drei Jahren abgeschalteten Offenen Kanäle. Hinzu gekommen seien aber auch viele neue Schüler und Studenten, erläutert Stefanie Opitz von nrwision. 12 Stunden Programm kämen so pro Woche zusammen.

„Wir sind der führende Medienstandort in Deutschland, und wir wollen das auch bleiben. Und das heißt: Hier muss entsprechend ausgebildet werden“, sagt Hannelore Kraft, als sie auf der Bühne angekommen ist. Sie nimmt sich Zeit für einen kurzen Talk – im Stehen vor dem Bett. Moderator Stefan Malter erwähnt, dass der Sender, der von der Landesanstalt für Medien NRW (LfM) gefördert und an der TU Dortmund betrieben wird, auf jeden Fall vier weitere Jahre existieren werde. Dazu die Ministerpräsidentin: „Es muss auf jeden Fall weitergehen. Wo, wenn nicht bei uns, sollte so ein Lernsender etabliert sein?“

Am liebsten nachts

Gefragt wird sie auch nach ihrem privaten Fernsehkonsum. „Ich bin eher diejenige, die spätabends, so ab 22 Uhr, die guten Sendungen im WDR schaut. Da kommen eine Menge Dinge, bei denen ich mir wünschen würde, dass sie schon um Viertel nach acht kommen, die aber offensichtlich nicht genug Quote bringen“, erklärt Hannelore Kraft. „Und natürlich ist der Sonntag heilig, der Tatort, am liebsten aus Köln.“

Der Tross der Landespolitik zieht weiter. Jetzt geht es für die Mediengestalter in der mobilen Regie ans Zusammenschneiden der Bilder. Daneben, am Infostand des NRW-Europa- und Medienministeriums werden fleißig Quiz-Postkarten ausgefüllt. Zu gewinnen gibt es eine Reise nach Brüssel. Dafür muss man richtig einschätzen, wie niedrig der EU-Haushalt im Vergleich zum Bundeshaushalt ist. Oder man muss wissen, dass die Dänen beim Euro nicht mitgemacht haben.

Foto: Fotoagentur Fox

Internet mit Führerschein

Auch ohne Hauptgewinn: Stoffbeutel und Kugelschreiber sowie Anstecknadeln mit dem Landeswappen gibt es hier für jeden, der mag, gratis. Es müssen nicht immer nur Prominente sein, die die Besucher zur Medien-Bühne hinziehen. Als mal keine Samba-Rhythmen, die ansonsten überall auf dem Fest erklingen, sondern der Programmpunkt „Rheinische Brauchtumslieder“ dran ist, tanzen mehrere Paare spontan auf der Hofgartenwiese.

Schräg vor der NRW-Medienbühne stehen ein Biertisch und zwei Bänke. Dorthin kommen viele Kinder, wie magisch angezogen, wenn sie erst mal erkannt haben, dass sie die drei Laptops benutzen dürfen, die auf der Bierbank stehen. An den Computern können sie einen Internet-Surfschein erwerben. Den stellt der Verein „Internet-ABC“ aus, der ein vom Deutschen Kinderschutzbund gefördertes Portal für Kinder, Eltern und Pädagogen betreibt. Das Angebot soll dabei helfen, herauszufinden, was im Netz für Kinder gut ist.

So anonym wie möglich

Der Internet-Surfschein vermittelt spielerisch ein Bewusstsein für Gefahren, die im Chat lauern können. Gerade Mädchen würden gerne ihren vollen Namen, sogar ihre Adresse angeben, erzählt Betreuerin Birgit Pietschmann von der LfM. Sieben bis elf Jahre seien die meisten Kinder alt, die bei dem Quiz mitmachen. Pascal hat 26 von 30 Fragen richtig beantwortet und bekommt dafür die Urkunde „Super-Surfer“.

Pascals Mutter kommt mit Birgit Pietschmann ins Gespräch und beschwert sich ein wenig, dass ihr Mann den Sohn allzu oft antreibe, online zu gehen. Der Tipp der Medienkompetenz-Beraterin: Dass die Eltern sich Zeit nehmen und dabei sitzen wenn das Kindes surft. Pascal klemmt sich die Urkunde unter den Arm und greift noch ein paar andere Geschenke ab: ein Mousepad des Vereins „Internet-ABC“, einen Radiergummi und ein Lesezeichen. Denn Lesen sei ja auch ganz wichtig, so Birgit Pietschmann bei der Verabschiedung.

Henning Hübert

 

 

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Lisa Krekel ist Studentin an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und absolviert im Moment ihr erstes Praxissemester bei der Landesanstalt für Medien NRW. Der Artikel im Funkfenster ist ihre erste Veröffentlichung in einem Onlinemagazin.

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