17.02.2010

Digitaler Hirte



Soziale Gemeinschaften im Netz sind der Renner. Doch ohne einen Community Manager, der die Fäden zusammenhält, funktioniert es nicht

Community Manager Tom Noeding

Tom Noeding ist ein alter Hase in der Branche. Der 42-Jährige hat bereits mit der Arbeit für verschiedene soziale Gemeinschaften im Internet seinen Lebensunterhalt bestritten. Seit April 2009 arbeitet er für die Evangelische Kirche und deren frisch gestartete Community evangelisch.de. Zusätzlich ist er Gründungsmitglied des Bundesverbands Community Management e.V. (BVCM).

Sein Weg in den Job begann bereits in den 1990er-Jahren zur Zeit der New Economy. Noeding: „Damals habe ich in meiner Freizeit diverse Mailing-Listen und Chats betreut. Die meisten wurden von mir selbst initiiert.“ 2001 beginnt er bei bewegungsmelder.de, einem Start-up, das einen Community Manager sucht. „Da stand zum ersten Mal ‚Community Manager’ als Berufsbezeichnung auf meiner Visitenkarte“, erinnert sich Noeding.

Viele Positionen vereint

Mittlerweile ist der Beruf fester Bestandteil der Internetbranche „Es lässt sich aber nicht unbedingt mit der Arbeit vieler ehrenamtlicher Community Manager vergleichen“, erklärt Tom Noeding. Während dort maßgeblich die Interessen der User im Vordergrund stünden, kommen bei den Communities von Unternehmen und Organisationen auch wirtschaftliche Aspekte, Ziele und Strategien des Betreibers hinzu.

Am Anfang macht’s die Masse

So vereint der Beruf sehr unterschiedliche Aspekte und Aufgaben: Das beginnt mit dem Marketing, denn in der ersten Phase einer neu gegründeten Community gilt es zunächst das Ganze zu vermarkten und möglichst viele Teilnehmer der anvisierten Zielgruppe für die Netzgemeinschaft zu gewinnen. Daneben fungiert der Community Manager als Kontakter, also als Schnittstelle zwischen Mitgliedern und den verschiedenen Abteilungen im Unternehmen. Er braucht dabei ein offenes Ohr für sämtliche Probleme, bei denen die Nutzer Hilfe benötigen.

„ Ich bin natürlich auch Teilnehmer und Moderator der Community“, sagt Tom Noeding. Eine ganz wesentliche Aufgabe bestehe darin, für Leben und Aktivität in der Community zu sorgen. Dazu gehört es, auch mal mit zu diskutieren und selber Themen anzustoßen. Zusätzlich agiert der Community Manager als Organisator etwa von (realen) Treffen der Nutzer der Netzgemeinschaft. Häufig ist er an der Verbesserung der Benutzerfreundlichkeit und der Entwicklung des Designs und neuer Funktionen für die Community beteiligt. Und mit der wachsenden Größe einer Community spielen auch sein Talent als Teamplayer und gegebenenfalls Führungsperson eine Rolle.

Ein klassischer Job für Quereinsteiger

Noeding ist von Hause aus Kaufmann im Textileinzelhandel. Viele Community Manager, die er kennt, haben – genau wie er mit der Betreuung von Chatrooms, der Arbeit an einem Helpdesk oder ähnlichem begonnen. Noeding: „Das war, bevor mit dem Web 2.0 immer mehr Unternehmen begannen, eigene Communities ins Leben zu rufen, die nun Mitarbeiter betreuen, die mal in ganz anderen Abteilung tätig waren.“

Ein Beruf ohne Berufsausbildung

© evangelisch.de

Seit den Anfängen dieses Berufes hat sich eines allerdings nicht geändert: Bis heute gibt es keine Ausbildung zum Community Manager. Auch dieser Umstand war für Noeding ein Grund, gemeinsam mit anderen Community Managern den Bundesverband Community Management e.V. (BVCM) ins Leben zu rufen. Seit dessen Gründung im November 2008 haben sich mittlerweile etwa vierzig Mitglieder der Organisation angeschlossen.

Ausbildung und Qualifizierung sind bei uns ein wichtiges Thema“, sagt Noeding. Bislang gebe es nur kommerzielle Weiterbildungsangebote und Lehrgänge, die den Teilnehmern gegen einen mehr oder weniger hohen Beitrag versprechen, sie für den facettenreichen Beruf fit zu machen. „Leider gibt es da aber viele schwarze Schafe“, warnt Noeding.

Nicht jeder Trainer sollte unterrichten

Wer überlegt, an einem solchen Training teilzunehmen, dem rät Noeding darauf zu achten, ob die Dozenten über ausreichende Praxiserfahrung verfügen. Außerdem, so Noeding, „lohnt sich auch immer ein Blick in das geplante Programm des Anbieters“. Wer sich für den Beruf interessiere, erkenne daran meist schnell, ob es sich um fundierte Inhalte handele oder das Geld besser in einem entsprechenden Fachbuch angelegt sei. „Häufig sind die Inhalte aus der Literatur abgeschrieben und die Praxis kommt zu kurz“, sagt der Community Manager.

Nachgewiesene Qualität

Um mehr Sicherheit in der Weiterbildung zu gewährleisten, hat der BVCM ein Verfahren zur Zertifizierung von Trainern für Community Manager geschaffen. „In der Zukunft wäre es wünschenswert, wenn es irgendwann auch eine vollwertige Ausbildung oder einen Studiengang zum Community Manager gäbe“, findet Tom Noeding.

Wer den Beruf ins Visier nimmt, sollte auf jeden Fall den Umgang und die Arbeit mit Menschen mögen. Der Begriff Web 2.0 sollte kein Fremdwort sein. „Und man sollte sich nach Möglichkeit keine Fauxpas in der digitalen Welt geleistet haben“, weiß Noeding. Und natürlich sind auch ein Händchen für Marketing, das Wissen über den jeweiligen Themenschwerpunkt der Community und ein Gespür für die Interessen des Arbeitgebers wichtig.

Alexandra Sorge

WEITEREMPFEHLEN

Faceboox

Twitter

E-Mail

INFOS ZUM ARTIKEL



Weblinks:
Bundesverband Commmunity Managemente.V., BVCM

Buchtipps
Bacon, Jono: The Art of Community: Building, Managing, and Supporting Cooperation Over the Internet. O'Reilly, 2009. 30,95 Euro

Godau, Miriam/Marco Ripanti: Online-Communities im Web 2.0: So funktionieren im Mitmachnetz Aufbau, Betrieb und Vermarktung. Businessvillage, 2008. 34,90 Euro
http://www.amazon.de/Community-Marketing-Management-Online-Communities-Internet-Zeitalter/dp/3833492627/ref=sr_1_3?ie=UTF8&s=books&qid=1261020084&sr=1-3

Mühlenbeck, Frank/Klemens Skibicki: Community Marketing Management. Wie man Online-Communities im Internet-Zeitalter des Web 2.0 zum Erfolg führt. Books on Demand, 2008. 29,90 Euro

OKeefe, Patrick: Managing Online Forums: Everything You Need to Know to Create and Run Successful Community Discussion Boards. Mcgraw-Hill, 2008. 16,99 Euro

INFOS ZUM AUTOR



Die Autorin
Alexandra Sorge ist Diplom-Journalistin und arbeitet freiberuflich in den Bereichen Hörfunk, Online, Print, in- und externe Kommunikation. Zusätzlich ist sie als Lehrbeauftragte für die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg tätig.
alexandra.sorge@gmx.de

//-->