17.03.2011
Vom Fan zum Radio Bochum-Moderator – schon von Kindesbeinen an war Günther Pohl VfL-Fan, so wie der Rest der Familie auch. „Mein Traumberuf war schon immer Sportmoderator. Ich wollte nie etwas anderes werden und habe so mein Hobby zum Beruf gemacht“, erzählt Pohl. Jedoch hat er selbst das Fußballspielen bereits nach acht Spielen aufgegeben, den Mannschaftskameraden seines Heimatsvereins SuS Gehrte zuliebe. Schon damals saß Pohl lieber mit Pommes und Cola vor dem Fernseher, als dem Ball hinterher zu jagen. „Schnell laufen konnte ich nie, dafür aber umso besser quasseln.“
Von der Marine ans Mikro
Pohls Karriere ist ein außergewöhnlicher Einzelfall. Nach seiner Zeit bei der deutschen Marine rationalisierte er zuerst Stellen bei Karstadt weg, ein Bürojob kam jedoch langfristig nicht in Frage. „Ich stehe lieber bei minus zehn Grad auf dem Platz, als acht Stunden im Büro zu sitzen.“
Doch der erste Versuch, sich im Printjournalismus mit einer eigenen Sportzeitung zu etablieren, scheiterte nach nur drei Monaten. Also sattelte er um und bahnte sich nach und nach seinen Weg in den Radiojournalismus, berichtete für immer mehr Stationen. Zu seiner Glanzzeit begleitete er die deutsche Nationalmannschaft und belieferte sogar Antenne Bayern mit Spielberichten. Gleichzeitig baute er sich weitere Standbeine auf, als freier Journalist für die Sportzeitung „Reviersport“ und als Anzeigenakquisiteur. „Ich hatte viel Glück und habe Gott sei Dank meine Nische im Journalismus gefunden.“
Ein Leben für den Fußball
Inzwischen berichtet Günther Pohl live nur noch für Radio Bochum und ausschließlich über die Spiele des VfL. Und das mit sehr großer Leidenschaft. Jedes Tor wird bejubelt, als wäre es das Siegestor beim Finalspiel des Europapokals. Der VfL wird automatisch mit Pohl in Verbindung gebracht und es müssten schon höhere Mächte ihre Finger im Spiel haben, damit Günther Pohl ein Match seines geliebten Vereins verpassen würde. „Der VfL ist wie eine große Familie, es macht einfach Spaß, da zu arbeiten“. Und das muss es auch, warum sonst sollte man mit 57 nach dem Spiel einem 19-Jährigen Fußballer hinterher laufen, um ihm eine Antwort abzuringen?

Die familiäre Atmosphäre und die Berichterstattung für einen Lokalsender sind die perfekte Kombination für Pohl, denn so kann er mit ganzem Herzen und vollem Stimmbandeinsatz seine Sympathie für den VfL verkünden.
Der Verein ist und bleibt die erste Liebe, und das hat auch privat Konsequenzen. In Günther Pohls Leben ist kein Platz für Ehefrau und Kinder. „Ich stehe mit dem VfL auf und gehe auch mit ihm schlafen“, sagt der Fußballverrückte. Und er mag Musik, von Helene Fischer bis Take That ist alles dabei.
Nachwuchspflege
Auch privat besucht er Sportveranstaltungen, von F-Jugendspielen bis hin zu Derbys der Düsseldorfer Eishockey Gemeinschaft (DEG). Der volle Terminkalender zeugt von seinem Engagement beim Profisport sowie bei den Jugendmannschaften des VfL, jeden Sonntagmorgen kann man ihn auf dem Platz beobachten, wie er schon früh mit den jungen Spielern Kontakte knüpft.
„Günther Pohl – Sexsymbol“: Das ist der Schlachtruf, der nach einigen Bieren häufig durch seine Stammkneipe schallt. Und seine Bekanntheit kommt nicht von irgendwo. Dank seiner intensiven Zusammenarbeit mit diversen VfL-Akteuren, von Spielern über die Marketingchefin bis hin zum Fanbeauftragten, ist Pohl eine Bochumer Kultfigur – und er genießt diesen Ruf sichtlich. Selbst Currywurstpappen mit seinem Autogramm werden bei eBay versteigert – wenn auch nur für einen Euro. Nach dem Spiel feiert er mit den Fans in der Bochumer Party-Szene, er ist einer von ihnen, das macht ihn authentisch.

Umstrittene Kultfigur
Bei Ausschreitungen im Stadion versteht Pohl aber keinen Spaß: Böller auf dem Fußballplatz oder uneinsichtige Ultras, also rabiate Fußballfans, die ihren Verein bei jedem Spiel mit einer Kerntruppe von Leuten und Plakaten an den Zäunen unterstützen. Dann wird auch Günther Pohl schon mal aggressiv und greift aktiv ins Geschehen ein, um seine Meinung kund zu tun. Mit seiner impulsiven Art hat sich Pohl nicht nur Freunde geschaffen. Kritiker bezeichnen ihn als Haus- und Hofberichterstatter des VfL und in Fußballforen wird er immer wieder wüst beschimpft.
Doch Pohl lässt sich nicht beirren. VfL bis zum Ende, das ist seine Devise. An Ruhestand ist noch lange nicht zu denken, und an einen Ruhestand ohne den VfL schon mal gar nicht. „Solange meine Gesundheit es zulässt, bin ich bei jedem Spiel dabei.“ Trotz der lautstarken Berichterstattung gab es bis jetzt keine Probleme mit den Stimmbändern. Wie erstaunlich das ist, lässt sich bei Youtube feststellen. Dort finden sich Mitschnitte von Günther Pohls Kommentaren. Beim Zuhören fürchtet man ernstlich um die Gesundheit des Radiomannes. Aber diese Emotionalität und seine offensichtliche Hingabe an den Verein machten Günther Pohl zur Lokalprominenz.
Lisa Krekel

Lisa Krekel ist Studentin an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und absolviert im Moment ihr erstes Praxissemester bei der Landesanstalt für Medien NRW. Der Artikel im Funkfenster ist ihre erste Veröffentlichung in einem Onlinemagazin.
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